Logo

Pro & Contra: O‐Töne Literaturfestival Wien

Wien ist quasi DIE Kulturhauptstadt in Österreich. Okay, Salzburg und Innsbruck sind auch nicht schlecht, aber Wien… das ist eine ganz andere Kategorie. Österreichs einzige Millionenstadt bekommt diesen Status allein schon wegen ihrer Größe, ihrer kulturellen Tradition und Geschichte. In Wien läuft immer was. Deshalb ist es auch sehr cool, hier zu wohnen und Festivals wie die O‐Töne zu besuchen.

Aber was ist denn eigentlich so cool bei den abendlichen Lesungen im Museumsquartier? Und was ist kacke? Hier sind meine 4 guten Gründe, warum du unbedingt hingehen solltest. Und 3 Gründe, warum nicht.

1. Sommer, Sonne, Museumsquartier

Im Gegensatz zu vielen anderen Literaturfestivals steht für mich bei den O‐Tönen nicht die Literatur im Vordergrund, sondern die Location. Das Museumsquartier ist einfach absolut einen Besuch im Sommer wert. Ob tagsüber auf einen Kaffee oder zum Essen in den vielen Lokalen, einen Museumsbesuch in Mumok, der Kunsthalle, dem Leopoldmuseum, oder abends auf eine der zahlreichen Veranstaltungen – seit seiner Eröffnung vor genau 15 Jahren ist das Wiener Museumsquartier (kurz MQ) zu einem Hotspot für junge Leute geworden. Die Lokale dort sind allerdings nicht gerade günstig. Deshalb kommen viele auch einfach, um mit Freunden auf den vielen aufgestellten Enzis abzuhängen und selbst mitgebrachtes Bier zu trinken.

Enzis? Noch nie gehört? Das sind ganz spezielle, relativ große Möbelstücke zum darauf Sitzen und Liegen. Jedes Jahr bekommen sie eine neue Farbe und werden dann über die Saision in den Innenhöfen des MQ aufgestellt. Benannt nach der damaligen Prokuristin Daniela Enzi sind diese überdimensionierten Liegestühle aus Kunststoff zu ziemlichen Kultmöbeln geworden. Man kann die Teile auch kaufen, übrigens. Allerdings sind sie irre teuer. Für ein Einzelstück im neuen “Enzo-Design” aus recyclebaren Materialen zahlt man 1.800 Euro. Und so bequem sind sie auch wieder nicht. Außerdem viel zu sperrig für einen kleinen Garten. Und schwer. Dafür aber robust und stylisch, perfekt fürs MQ.

Museumsquartier Wien Haupthof mit Enzis

Museumsquartier Wien Haupthof mit Enzis

2. Altersdurchschnitt 60 Jahre? Nicht bei den O‐Tönen!

Lesungen – so macht es manchmal den Anschein – sind verstaubte alte Hochkultur für mindestens ebenso alte Leute. Auf Literaturfestivals wie den Rauriser Literaturtagen oder Literatur im Nebel ist das Durchschnittsalter gefühlt 60 Jahre. Und das nur, weil ein paar junge Leute mittendrin sitzen und den Schnitt noch aufbessern. Aber hey, nichts gegen unsere Seniorinnen und Senioren! Von den meisten, die ich auf Literaturfestivals kennengelernt habe, kann ich nur Positives berichten: Sie sind jung geblieben, geistig superfit und von täglichem Anti-Demenz-Kreuzworträtsellösen weit entfernt.

Viel eher finde ich es schade, dass so wenige junge Leute sich für vorgelesene Literatur begeistern können. Und genau da setzen die O‐Töne an, heuer sogar mit noch einem Bonuspunkt: An jedem Termin gibt es zwei Programmpunkte, eine Debütautorin und ein etablierter Schriftsteller (oder auch umgekehrt). So kommen junge, frische, knackige Autorinnen und Autoren mit alteingesessenen Erzählprofis zusammen. Außerdem stimmt die Location, die hauptsächlich junge Leute anlockt (siehe dazu Punkt 1).

Büchertisch im MQ Haupthof

Büchertisch im MQ Haupthof

3. Die Atmosphäre ist angenehm locker

Du möchtest in Bikini oder Badehose einen Tag im Museumsquartier ausklingen lassen und bei untergehender Sonne angenehm lesenden Stimmen lauschen? Vielleicht noch einen Spritzer oder ein Bier dazu? Dann nichts wie hin zu den O‐Tönen, dort ist genau das möglich. Bei vielen anderen Literaturfestivals passt der Rahmen einfach nicht zu Sommer, Sonne und Cocktails. Weil sie gar nicht im Sommer stattfinden. Und weil die Atmosphäre einfach eher steif ist. In der Hinsicht könnte sogar bei den O‐Tönen noch mehr getan werden. Liegestühle zum Beispiel, statt Plastiksessel in Reihen.

Steif in Stuhlreihen sitzen mag ich selbst zum Beispiel gar nicht. Viel gemütlicher finde ich es, mit einer Picknickdecke am Boden. Oder auch einfach auf dem von der Sonne gewärmten Granit. Oder auf einem Enzi. Das das MQ allerdings ein Ganztagesspot ist, müsste man wahrscheinlich schon Stunden früher dort sein, um eines zu ergattern. Oder (sehr viel) Glück haben.

4. Bei Regen in der Arena21

Für einen plötzlichen Wettereinbruch haben die O‐Töne vorgesorgt. Die Lesungen finden dann trotzdem statt, nur eben indoor in der Arena21. Das ist erstmal ganz cool, weil man nicht für umsonst hingeht oder auf die Lesung ganz verzichten muss.

Lesung in der Arena21

Lesung bei Schlechtwetter in der Arena21

Ich persönlich mag die Arena21, diesen sterilen weißen Saal, allerdings nicht. Er erinnert mich an einen Ausstellungsraum, in dem eigentlich Kunst hängen sollte. Außerdem wird es meist sehr voll und stickig. Prinzipiell ist es aber ein Vorteil, dass die O‐Töne bei Regen nicht ausfallen und es diese Ausweichmöglichkeit in die Arena21 gibt. Die meisten anderen open air Veranstaltungen – Achtung Wortspiel – fallen dann ja ins Wasser.


So. Nun ist kein Literaturfestival perfekt. Auch an den O‐Tönen gibt es ein paar Dinge, die nicht so toll sind. Ob du deshalb zuhause bleiben sollst? Entscheide selbst:

1. Open-Air mit Background-Sound

Open-Air klingt erst mal super. Im kleinen Nebenhof im Museumquartier (mit Namen “Boule Bahnen”) ist es das auch. Abseits von recht lauten Haupthof versteht man auch in den hintersten Ecken die Stimmen der Lesenden. Während sich der Himmel dann langsam rötlich färbt, lauscht man bedächtig dem neuen Roman, der gerade in Abschnitten aus den Lautsprechern schallt. Romantisch, oder?

Bekanntere Autorinnen und Autoren – wie letztes Jahr etwa Clemens J. Setz, aber auch mehr Hintergrundrauschen. Viele Menschen kommen und gehen, unterhalten sich auf Enzis und in Lokalen oder laufen einfach durch das MQ durch. So entsteht Lärm, der dazu führt, dass man eben nur direkt vor der Bühne oder im Bereich der Lautsprecher etwas hört. Ein wenig abseits und man bekommt nichts mehr mit. Da meistens doch recht viele Leute kommen, sollte man also mindestens eine halbe Stunde vorher da sein, um noch einen Platz zu bekommen.

O‐Töne Lesung im Haupthof mit Clemens J. Setz

O‐Töne Lesung im Haupthof mit Clemens J. Setz

2. Fast Food Literatur im Vorbeigehen

Kurzweilig waren die O‐Töne eigentlich schon immer. Das liegt an Faktoren wie Location, Hintergrundgeräuschen und Jahreszeit, und ist per se kein Nachteil. Literatur wird vielmehr in einem zeitgenössischen Rahmen präsentiert – als Open Air Veranstaltung im MQ und damit auch als Fast-Food während dem Vorbeigehen: kurz Stehenbleiben, kurz Zuhören und Weitergehen. (Achtung: Fast Food, nicht Junk Food!)

3. Lesungen ohne Gespräch

Aufgrund der Doppellesung, die mit diesem Jahr neu ist, wird bei der Moderation Zeit eingespart. Bis letztes Jahr gab es immer ein Gespräch nach jeder Lesung. Vielleicht haben die Veranstalter Angst, dass die Aufmerksamkeitsspanne für längere Gespräche zu gering ist – an Donnerstagabenden ab 20 Uhr. Ich weiß es nicht. Meine Aufmerksamkeit hätten sie.

Am 21. Juli zum Beispiel verschwand Irmgard Fuchs gleich nach der Lesung von der Bühne. Dann kam zack zack Eva Schmidt dran. Zumindest gab es eine Anmoderation von Daniela Strigl zu beiden Autorinnen. Also doch ein wenig Rahmenprogramm und nicht nur bloße Lesungen.

Lesung bei den Boule Bahnen mit Irmgard Fuchs

Lesung bei den Boule Bahnen mit Irmgard Fuchs

Ich mag Anmoderationen allerdings generell nicht so gern. Meistens sind sie recht ausschweifend – fast kurze Rezensionen. Manchmal spoilern sie auch und du weißt ja, was ich von Spoilern halte. Besser finde ich es, mehr Zeit in ein Gespräch nach der Lesung zu investieren, wenn schon Zeit gespart werden soll. Nach einer Lesung hat das Publikum bereits ein wenig Ahnung von Inhalt, Stil und Sprache. Da kann man auch eher einer Diskussion über das Werk folgen, die dann nichts mehr vorweg nimmt.

Bei der Lesung von Norbert Gstrein am 28. Juli war das der Fall. Allerdings hat der Autor sehr viel von sich erzählt und die Lesung auf über eine Stunde aufgeblasen. Auch nicht gut. Vor allem aber, weil ich keine Jacke mithatte und es an diesem Tag recht kühl war.


Fazit und Facts

Im Großen und Ganzen sind die O‐Töne cool. Außer man sitzt im Haupthof weit abseits oder in der Arena21 drinnen. Dann hört man entweder nichts oder hat nicht die für die O‐Töne typische open-air-Atmosphäre. Auf jeden Fall aber sind sie einen Besuch wert. Nicht nur, wenn man einen offiziellen Grund braucht, sich mit Freunden abends auf ein Bier zu treffen. Immerhin gibt es 4 Gründe für die O‐Töne und nur 3 dagegen.

Wie jedes Mal gibts zum Schluss ein paar Eckdaten und Tipps von mir als jahrelang treue und leidenschaftliche O‐Töne Liebhaberin:

  • Dauer: Den ganzen Sommer, meist von Anfang Juli bis Ende August / Anfang September. Immer Donnerstagabend ab 20:00, Dauer etwa 1,5 Stunden.
  • Kosten: gratis Eintritt.
  • Anreise: Mit der U3/U2 Station “Volkstheater” oder “Museumsquartier”.
  • Besonderheiten: Open Air Lesungen in lauen Sommernächten, Debütlesungen für Jungautorinnen und -autoren, schneller Literaturkonsum im Vorbeigehen möglich.
  • Dos: Generell mind. eine viertel Stunde früher da sein, um einen Platz zu bekommen. Auch unbekanntere Schriftstellerinnen und Schriftsteller anhören.
  • Don’ts: Zu weit weg sitzen. Während den Lesungen laut tratschen.
  • Tipp: Die Events werden einzeln als Facebook-Events ausgeschrieben. Praktisch zur Erinnerung.

 

Du besuchst auch jedes Jahr die O‐Töne und bist so gar nicht meiner Meinung? Oder hast noch viele weitere Tipps, die auch mir noch helfen können? Dann rein damit in die Kommentare!

Zurück nach oben

Mehr lesen?


 

Posted By :
Comment :5
Rauriser Literaturtage

Der ultimative leseloop Guide zu: Rauriser Literaturtage

Es war einmal mitten in den Bergen, noch in Salzburg aber doch schon fast in Tirol, auf einer Seehöhe, wo im Winter noch Schnee liegt. Ja, echter Schnee! Den gibt nämlich noch in Österreich. An heimeligen Orten mit wunderschöner Landschaft, kurvenreichen Straßen und alten Bauernhäusern. So ein Ort ist Rauris. Und abgesehen von den Hirschgeweihen, die in jedem Gasthaus an den Wänden hängen, genau der richtige Ort, um ein Literaturfestival wie die Rauriser Literaturtage zu veranstalten.


Rauris – ein modernes Märchen

So trug es sich zu, dass sich eines Tages drei Freundinnen und ein Freund auf den Weg machten, um diesen sagenumwobenen Ort zu erkunden. Viel hatten sie bereits gehört und gelesen, und groß war ihre Vorfreude, als sich der Bus die schmalen Straßen den Berg hinauf schlängelte, immer gerade noch am Abgrund vorbei. Als sie mitten im gefühlten Nirgendwo aus dem Bus stiegen, fanden sie nicht nur Unterschlupf in einem kleinen aber feinen Gästehaus. Nein, sie fanden einen wundersamen freundlichen Ort, umringt von Bergen, bewohnt von zuvorkommenden Menschen.

Die Zeit verging wie im Flug und die drei Freundinnen und der Freund konnten kaum zwinkern, schon war die Zeit vorbei. Als sie den Ort auf dem selben Weg verließen, lagen vier wunderschöne Tage voller Lesungen, Gespräche und Wanderungen hinter ihnen. Das gute Frühstück noch im Magen, freuten sie sich bereits auf nächstes Jahr. Denn alle gedachten, wieder nach Rauris zurückzukehren, wenn sich dieser kleine unscheinbare Wintersportort in das Literaturmekka Österreichs verwandelt.


Leseratten.Wellness

Wie auch vom Festival Literatur im Nebel bin ich nicht nur begeistert, sondern geradezu besessen von den Rauriser Literaturtagen. Ich freue mich wie ein Kind das ganze Jahr auf diese drei bis vier Tage, abseits von Arbeit, Stadt und allem, was sonst noch so zu meinem Alltag gehört. Denn genau das ist Rauris für mich: Ein Ausflug in eine andere Welt. Ein Literatur-Retreat sozusagen.

Das Programm ist zwar das übliche, also nicht wirklich außergewöhnlich, hat sich aber über die Jahre bewährt. Lesungen wechseln sich ab mit Gesprächen und Diskussionen. Nach den Lesungen wird – wie fast immer bei Lesungen üblich – über das Buch geplaudert.

Diese Gespräche sind mal besser mal schlechter. Letztes Jahr fand ich die Qualität eher mau. Heuer hingegen waren viele der Gespräche wieder sehr aufschlussreich. Vielleicht liegt das auch ein wenig am Thema, wie gut bzw. schlecht man über etwas diskutieren kann. Alles in allem wird das Festival immer mehr zum Mainstream-Event, seit Brita Steinwendtner ihr Amt als Organisatorin und Moderatorin bei den Literaturtagen niedergelegt hat. Aber hey, die Lesungen sind nach wie vor super.

Die in Rauris lesenden Autorinnen und Autoren werden übrigens sehr sorgfältig ausgewählt. Dabei finden sich meist keine größeren Namen, dafür aber umso mehr echte Geheimtipps. Ohne die Rauriser Literaturtage wäre ich auf viele Autorinnen und Autoren, die ich heute sehr schätze, nicht aufmerksam geworden.

Geschichte.erzählen

Jedes Jahr steht Rauris unter einem bestimmten Stern. Heuer zum Beispiel würdigt das Festival die Tatsache, dass Salzburg seit genau 200 Jahren zu Österreich gehört. Ein denkwürdiges Ereignis. Ohne würde es das Festival womöglich nicht geben. Und ohne die Literaturtage in Rauris wäre die Literaturfestival-Landschaft in Österreich nicht dieselbe.

Passend zum Thema wird auch der Rauriser Literaturpreis im Wert von 8.000 Euro für Prosa-Debüts vergeben. Heuer bekommt ihn die in Wien lebende Autorin Hanna Sukare für ihren Roman “Staubzunge”. Außerdem gibt es noch den Rauriser Förderpreis, den diesmal der Vorarlberger Autor Carlos Peter Reinelt absahnt. Seinen übrigens echt bemerkenswerten monologischen Text über die letzten Minuten der Flucht in jenem LKW, in dem letztes Jahr 71 Flüchtlinge erstickt sind, kannst du in der Zeitschrift Salz nachlesen. Die drucken immer eine Extra Ausgabe zu den Rauriser Literaturtagen mit Texten zu allen Autorinnen und Autoren.

Motto also: “Geschichte.erzählen“. Heuer übrigens ganz “modern” mit Punkt zwischen den Wörtern (das musste ich gleich bei meinen Überschriften nachmachen). Und danach richtet sich das Programm der Rauriser Literaturtage. Hier ein kurzer Überblick, was du auf keinen Fall verpassen solltest:

1. Rauris.Universität

Für all jene, die Gespräche über Literatur mögen, sind die Gespräche zwischen Studierenden und den Autorinnen und Autoren ein echtes Highlight: Die Studierenden machen sich vorher Gedanken zum Werk und fragen sehr spezifisch zu den Hinter- und Beweggründen. Voraussetzung, um tatsächlich die gesamte Bandbreite zu verstehen: Man sollte das besprochene Buch gelesen haben. Aber auch sonst sind die Gespräche sehr gut. Findet heuer sogar an zwei Vormittagen statt!

2. Lesungen auf der Heimalm

Für mich die eigentliche Eröffnung des Festivals! Im urigen Bergstüberl – zu dem man übrigens auch zu Fuß hochwandern kann – finden einen Abend lang in gemütlicher heimeliger Atmosphäre Lesungen mit musikalischer Begleitung statt. Auf über 2000 Höhenmeter hat man außerdem eine überwältigende Aussicht und kann sich den Sonnenuntergang von der Terrasse aus ansehen. Allerdings sehr kuschelig, weil fast zu klein für die Menge an Besucherinnen und Besuchern, die jährlich da hinauf pilgert.

3. Rauris.Lyrik

Mal was anders als Prosa für zwischendurch! Auch für Menschen, die mit Lyrik nicht so viel anfangen können.

4. Alte Schule in Bucheben

Ein Highlight der Extraklasse (wortwörtlich). Hier dürfen nur die “Freunde der Rauriser Literaturtage” rein. Der Mitgliedsbeitrag von etwa 25 Euro (15 Euro für Studierende) zahlt sich jedoch aus: Die “Freunde” bieten gemeinsame Wanderungen, Lesungen und Treffen in Salzburg und Umgebung. Und auch diese Exklusivlesung in Rauris. Für all jene, die in Salzburg leben, eine Überlegung wert.

Das Programm ist jedes Jahr anders, die genauen Eckdaten zu den Rauriser Literaturtagen findest du auf der Veranstaltungswebsite.

Hütten.Hallen.Hirschgeweihe

Die Haupthalle – sorry, aber diese Bezeichnung drängt sich hier einfach auf – befindet sich im Gasthof Grimming mitten im Zentrum von Rauris. Hier finden alle Abendveranstaltungen und damit die Hauptlesungen statt. Willst du einen Platz im Grimming, dann solltest du dich spätestens eine Stunde vor Einlass vor der Türe anstellen. Der Einlass ist dann immer noch etwa zwei Stunden vor Beginn der Lesungen. Meistens sammelt sich bereits am späten Nachmittag eine Traube von Menschen vor dem Eingang, um die besten Plätze zu ergattern. Für Autorinnen und Autoren, Presseleute und VIPs gibt’s natürlich reservierte Plätze.

Hier nochmal der genaue Zeitplan fürs optimale Anstellen vorm Grimming: Die Lesungen beginnen um 19:00, Einlass ist demnach um etwa 17:00 und Anstellen sollte man sich daher mindestens um 16:00. Das ist in etwa genau dann, wenn im Platzwirt die Nachmittagsveranstaltung endet.

Mir persönlich ist das zu stressig. Aber ich verrate dir ein Geheimnis (das eigentlich keines ist, aber egal): Im Platzwirt gleich nebenan werden die Lesungen auf zwei großen Leinwänden live übertragen, man bekommt auch fünf Minuten nach Veranstaltungsbeginn noch einen Platz und kann außerdem während der Lesungen was essen oder trinken. Die Zeit zwischen den Veranstaltungen kann man für einen Besuch im Kaffeehaus, einen Spaziergang oder einen kurzen (Nachmittags-)Schlaf nutzen. Die Lesungen dauern schließlich bis etwa 22:30 und Menschen tendieren dazu, in angenehmer warmer Atmosphäre einzunicken. Also lieber Kraft und frische Luft (und/oder Koffein) tanken anstatt sich mindestens eine Stunde vorm Grimming die Beine in den Bauch zu stehen.

Exklusiv.außergewöhnlich

Die mit Abstand coolste Location ist die Heimalm. Eigentlich eine Skihütte mit so grauslichen Getränken wie Jagatee im Angebot (probieren auf eigene Verantwortung!), verwandelt sich die aus Holz gezimmerte “Hütte” in ein heimeliges Lesezimmer. Allerdings sitzt man sehr kuschelig, um es nett auszudrücken. Besonders hier gilt – fast noch mehr wie beim Grimming: Wer früher kommt, ergattert die wenigen nicht reservierten Plätze! Zur Not sitzen die Leute dort auch am Dachboden (wieder mit Liveübertragung auf Leinwand), auf den Stufen oder auf von draußen hereingetragenen Bierbänken. Wir haben es uns heuer zb. auf den Equipmentkoffern des ORF gemütlich gemacht.

Leider nur für die Freunde der Rauriser Literaturtage zugänglich ist die Alte Schule von Bucheben. Falls man nicht selbst mit dem Auto da ist, sollte man sich früh genug um eine Mitfahrgelegenheit kümmern. Es gibt aber auch mehrere Busse, die nur wenige Gehminuten entfernt von der Location stehenbleiben. In der Alten Schule gibts in kleiner Runde eine Extralesung – meist von einem Autor oder einer Autorin, die abends dann auch im Platzwirt oder im Grimming lesen.

Für die Freunde der Rauriser Literaturtage liest jener Autor bzw. jene Autorin aber ganz spezielle exklusive – oder wie heuer: noch nicht mal veröffentlichte – Texte. Und das ist schon sehr sehr cool. Allerdings nur für Mitglieder zugänglich. Nicht mal die Presse war dort, so geheim ist das ganze.

Noch geheimer – und zwar so geheim, dass man davon gar nichts mitbekommt, wenn man das Festival “ganz normal” besucht – sind die sogenannten Störlesungen. Eine Störlesung leitet sich von der Wendung “auf Stör gehen” ab und bedeutet, dass Dichter und Dichterinnen die in Rauris lebenden Menschen zuhause besuchen und dort auch lesen. Die Lesungen sind dann dementsprechend nur für die Familien und deren Freunde. Wenn du also bei einer Störlesung teilnehmen möchtest, dann musst du dafür von einem der Gastgebenden eingeladen werden. Es soll schon Leute gegeben haben, die das geschafft haben. Die Lesungen sind dann in sehr intimer Atmosphäre und lassen viel Raum für persönlichen Kontakt mit den Autoren und Autorinnen. Wenn du dann noch mehr Glück hast, darfst du auch bei der zünftigen Jause mitnaschen.

Literatur.Bergsteigen

Die Literaturtage haben ein recht dichtes Programm. Man kann, wie gesagt, vom Platzwirt direkt zum Grimming weiter gehen und quasi von 10 Uhr vormittags bis 23 Uhr abends sitzend in den beiden Gasthäusern verbringen. Muss man aber nicht. Denn ein Ausflug nach Rauris ist einfach nicht derselbe, wenn man das Dorf nicht einmal von oben gesehen hat. Am besten erklimmt man die quasi vor der Haustür anfangenden Berghänge selbst, damit der atemberaubende Ausblick auch verdient ist.

Mit ein wenig Kondition ist man eigentlich innerhalb einer halben Stunde auf einer recht passablen Höhe angelangt, kommt an Kühen und Wasserfällen vorbei und kann sich auf eine der Bänke setzen, um den Ort von oben zu betrachten. Außerdem gibts eine Rodelbahn von der Kreuzbodenhütte zurück runter nach Rauris. Also falls noch Schnee liegt… Besser aber zuerst unten den Liftwart fragen, ob die Rodelbahn noch geöffnet ist.

Wer außerdem nicht gehen mag, kann dort mit einem Sessellift hinauffahren. Schlitten kann man sich oben ausborgen und dann den ganzen Tag rauf und runter fahren. Entsprechend wasserdichte Kleidung und Handschuhe vorausgesetzt. Ohne wirds nämlich richtig schnell kalt. Und nass.

Lese.Anreise

Im Prinzip keine große Sache. Wer ein Auto hat – und das haben die meisten (gefühlt eigentlich alle), die nach Rauris kommen – biegt in Taxenbach, einem kleinen Ort zwischen Zell am See und St. Veit im Pongau, einfach Richtung Rauris ab. Parkplätze gibts genug und es freut sich der Stadtmensch: Am Land ist Parken noch kostenlos. Jeder Gasthof hat außerdem Stellplätze, die Gästen selbstverständlich zur Verfügung stehen.

Ohne Auto ist’s auch nicht viel komplizierter – man sollte sich allerdings im Klaren sein, dass Samstag und Sonntag jeweils nur zwei Busse fahren. Wer den ersten Bus am Vormittag verpasst, der muss wohl oder übel bis zum Abend in Rauris bleiben. Oder kommt mit Mitfahrgelegenheit wieder in die Zivilisation (oder zumindest zum nächsten Bahnhof). Die genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten findest du auf der Seite der Salzburger Verkehrsbetriebe. Mit ein wenig Organisation kommt man also gut hin und zurück.

Traum.Orte

Der Wintertourismus hat den kleinen Ort ebenfalls für sich entdeckt. Zur Zeit des Literaturfestivals ist die Skisaison schon fast wieder vorbei, man sieht allerdings noch vereinzelt Leute auf den Pisten. Das heißt, Rauris ist grundsätzlich mit einem großen Kontingent an Übernachtungsmöglichkeiten ausgestattet und du dürftest sogar noch ein Zimmer finden, wenn du am selben Tag dort von Tür zu Tür gehst.

Stressfreier ist es natürlich, im Vorhinein zu buchen. Kleiner Tipp: Direkt bei den Gästehäusern und Pensionen anfragen. Die geben dann oft um einiges bessere Preise als booking.com. Mehr Infos zu Übernachtungsmöglichkeiten findest du auf der Website vom Tourismusverband Rauris.

Du möchtest die Literatur direkt vor deiner Zimmertür haben? Dann musst du allerdings früh buchen, denn die Zimmer in den Gasthöfen Grimming und Platzwirt sind superschnell ausgebucht. Der Grimming wirbt übrigens damit, ein “hundefreundliches Gasthaus” zu sein. Wer also keine Hunde mag, der meide hier besser (und natürlich umgekehrt). Für alle Groupies unter euch, die auch Mehrkosten nicht scheuen: Die Autoren, Autorinnen und andere VIPs übernachten in den Hotels am Ortseingang.


Fazit und Facts

Rauris ist allein schon wegen Rauris selbst einen Besuch wert. Kein anderes Literaturfestival findet so abschnitten von der Außenwelt, abseits jeglichen Alltags und dem damit verbundenen Stress statt. In der Nacht ist es dort leise… also, außer den Hähnen, Kühen und Pistengeräten natürlich.

  • Dauer: 5 Tage. Beginn Mittwoch 19:00. An den drei Haupttagen Donnerstag bis Samstag jeweils drei Programmpunkte, Beginn 10:00, Ende ca. 22:30. Sonntag Vormittag Zusatzprogramm.
  • Kosten: Festival selbst ist gratis.
  • Anreise: Privat mit dem Auto oder öffentlich mit den Öbb bis zum Bahnhof Taxenbach-Rauris, dann weiter mit Regionalbus 640 Richtung Bucheben oder Wörth.
  • Besonderheiten: Einzigartige Atmosphäre mitten in den Bergen. Spezielle Programmpunkte: Rauris.Universität, Rauris.Lyrik, Literturabend auf der Heimalm und Speziallesung in Bucheben.
  • Dos: Rechtzeitig bei der Gondel sein, um auf die Heimalm zu fahren. Unbedingt mind. einen Nachmittag für eine Wanderung einplanen. Eventuell überlegen, ob man nicht Mitglied der Freunde der Rauriser Literaturtage werden möchte.
  • Don’ts: Unbedingt im Grimming sitzen wollen, durch Schneefelder oder auf Pisten wandern gehen.

 

So. Ich hoffe, ich konnte dich gut mit Informationen ausstatten und du kommst sicher nach Rauris (und auch wieder von dort weg). Dieser Artikel wurde übrigens am 20. April 2016 aktualisiert. So kannst du auch noch die neuen Infos von Rauris 2016 nachlesen.

Hast du vielleicht noch ein paar spezielle Tipps für mich? Dann rein damit in die Kommentare!

Zurück nach oben

Mehr lesen?


 

Posted By :
Comment :0
Literatur im Nebel – Bühne mit Schauspielern bei einer Lesung

Der ultimative leseloop Guide zu: Literatur im Nebel

Es gibt viele coole Literaturfestivals in Österreich, zum Beispiel die O-Töne im MQ in Wien, die Literaturtage in Rauris und das Bachmannpreis-Wettlesen in Klagenfurt. Alle drei haben ihr jeweils eigenes Konzept und sind auf ihre Art und Weise sehenswert. Im kleinen niederösterreichischen Heidenreichstein – mitten im schönen und oft nebligen Waldviertel – hat man sich was ganz Besonderes einfallen lassen.


Unheimlich, spannend, melancholisch.

Das waren meine ersten Assoziationen mit dem Namen “Literatur im Nebel” – zugegeben, ein klingender Name für ein Literaturfestival. Unheimlich, spannend und melancholisch kann auch eine gute Kombination für ein Buch sein. Oder für Lesungen aus solchen Büchern. Soweit meine Gedanken.

Ich muss zugeben, ich habe mich auch nicht weiter vorbereitet, sondern einfach die Tickets besorgt und ein Zimmer gebucht. Bei einer kurzen Recherche über das Festival gibt auch Google kaum Informationen her, außer die Webseite des Festivals selbst, die nur wenige Infos über Ablauf oder Örtlichkeiten bereitstellt. Also einfach mal hin und selbst schauen, hören, lesen.

Du musst natürlich nicht auf Geratewohl lostrampen oder auf gut Glück einen Bus in dieses entlegene Dorf erwischen, denn tadaa, hier gibts die Infos (mit Bildern), die ich bei meiner Vorabsuche vermisst habe.

Hin und weg

Ja, das war ich nach diesen zwei Tagen tatsächlich. Vom Festival selbst zumindest. Von Heidenreichstein wieder weg zu kommen, war schon schwieriger. Für die An- und Abreise hat man hier am besten ein Auto, denn Heidenreichstein liegt im nördlichen Waldviertel, hat keinen Bahnhof und nur schlechte Busverbindungen. Ich, Wiener-Großstadt-Nacht-Ubahn-und-sowieso-alle-2-Minuten-eine-Öffiverbindung geeicht, habe mir natürlich darüber keine Gedanken gemacht – und musste dann sonntags zurücktrampen. War auch lustig, doch wenn einem das nicht liegt, dann sollte man berücksichtigen, dass an Sonn- und Feiertagen der erste öffentliche Bus zwischen 16 und 17 Uhr fährt. Der nächste Bahnhof ist in Göpfritz, etwa 30 Kilometer von Heidenreichstein entfernt. Kein Spaziergang also.

Wenn du jetzt aber kein Auto zur Verfügung hast – und auch keinen netten Freund deiner Freundin, der dich in der Pampa am Sonntag abholen kommt–, dann gibt es Shuttlebusse von Wien, die direkt zum Festivalgelände (wow, was für ein Wort für eine umgebaute Scheune) fahren und dich dort auch nach der letzten Lesung pünktlich wieder abholen. 10 Euro kostet der Spaß. Wucher, dachte ich, die Öbb wird günstiger sein, dachte ich, der Bus ist sicher nur für Schnösel, die sich überall hinbringen und abholen lassen.

Tja, im Nachhinein würde ich auch den Bus buchen. Allein schon, weil die Öbb (mit Vorteilscard) fast das Doppelte kostet und das Eineinhalbfache deiner Zeit in Anspruch nimmt. Next time Shuttlebus.

Mit den Shuttelbussen kannst du direkt nach dem Tagesprogramm, das von 17:00 bis etwa 22:30 dauert (und manchmal ein klein bisschen überzogen wird), wieder zurück nach Wien fahren. Sehr praktisch und die günstigste Variante. Schöner ist es auf alle Fälle, in Heidenreichstein (bzw. mit eigenem Auto auch in einem der umliegenden Dörfer) zu bleiben und tagsüber im nahegelegenen Moor spazieren zu gehen. So kann man ganz gemütlich dem Alltag für ein Wochenende entfliehen und sich ganz der Literatur widmen.

Unterkünfte früh buchen

Ins abgelegene Heidenreichstein scheint es nicht viele Menschen zu verschlagen: Es gibt nur vier Unterkünfte, die in Gehreichweite der Margithalle (aka. Festivalgelände aka. umgebaute Scheune) liegen und für nicht-automobile Menschen wie mich in Frage kommen.

Am Literatur-im-Nebel-Wochenende sind aber alle vier ausgebucht. Daher früh entscheiden. Nicht wie ich aufs Glück vertrauen. Obwohl das natürlich bei mir funktioniert hat. Ist dann halt etwas teurer und nicht in der Altstadt, aber: Die Couchen im Zimmer waren bequem, und dank SAT TV musste ich mich nach den ganzen Lesungen nicht auch noch in den Schlaf lesen. Aber hey, man ist dort sowieso den ganzen Tag unterwegs.

Alle Unterkünfte in Heidenreichstein und Umgebung findest du auf der Webseite der Stadtgemeinde.

Beschäftigungstherapie für Literatouristen

Das reguläre Tagesprogramm startet um 17:00. Also braucht der Mensch eine Beschäftigungstherapie. Der Beitrag der Veranstalter dazu war eine Literaturverfilmung. Als kleine Wiedergutmachung quasi für all jene, die den Tourismus im Waldviertel (zumindest für ein Wochenende) unterstützen. Der Beitrag der Stadt war ein Bauernmarkt. Es gab Vollkorn-“Nervenkekse” zum Kosten, das sagt doch alles, oder?

Nein. Einen Tag kann man sich sehr gut in Heidenreichstein beschäftigen. Man schläft am besten erst mal lang und ausgiebig. Ist ja schließlich Wochenende und am Land ists so schön ruhig. Dann ein paar Nervenkekse am Bauernmarkt, eine Besichtigung der Burg oder ein Spaziergang im Moor. Damit kann man sich auch den ganzen Tag beschäftigen, man muss aber nicht wie ich 12 Kilometer durch die Pampa hatschen und dann kaum noch stehen können. Aber man kann.

Bitte nicht allzu ernst nehmen. In Wahrheit bin ich sehr gern am Land und sogar am Land aufgewachsen und möchte auch irgendwann wieder aufs Land zurück. Ach ja, die Betonung liegt auf irgendwann. Als Vorgeschmack dazu tut mir hin und wieder ein Wochenende fernab jeglicher Zivilisation ganz gut. Vielleicht überlege ich mir das dann ja nochmal.

Festival itself

So, Schluss mit lustig. Literatur im Nebel ist nämlich tatsächlich eines der coolsten Literaturfestivals in Österreich. Mit einem ganz eigenen Konzept, von dem ich natürlich keine Ahnung hatte, weil im Internet ja nirgends ein gescheiter Bericht zu finden war. Das Besondere an Literatur im Nebel ist, dass das Programm sich zwei Tage nur (und ja, damit meine ich ausschließlich und exklusiv) mit dem (Lebens)Werk eines Autors oder einer Autorin beschäftigt. Dieses Jahr war das Christoph Hein.

Gelesen wird quer durch das Werk – manchmal in Themenkomplexen zusammengefasst, manchmal abwechselnd mit Reden und Diskussionen. Christoph Hein liest natürlich nicht aus seinem eigenen Werk, sonst würden ihm wahrscheinlich schon nach dem ersten Tag – also nach über vier Stunden Lesung – die Stimmbänder reißen. Genau da aber liegt eine der Besonderheiten von Literatur im Nebel: Gelesen wird von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern. Dadurch bekommt jedes Werk seinen individuellen Klang. Durch professionelles Betonen, bewusst langsames oder schnelles Lesen und kräftige starke Stimmen kommt die Atmosphäre im Buch viel besser zur Geltung als bei den meisten Autorenlesungen.

Was ich auch noch nie – ja, wirklich noch nie, weder auf einem anderen Literaturfestival noch sonst irgendeiner Veranstaltung – erlebt habe: Sogar die Ansprachen der Moderatorin und des Veranstalters, ja sogar die des Bürgermeisters von Heidenreichstein – waren witzig. Ja, witzig. Ja, Ansprachen. Kaum zu glauben, oder?

Pay as you wish?

Normalerweise zahlt man auf Literaturfestivals (zb. auf den drei oben genannten) oder Lesungen (außer die im Burgtheater, klar) nur die Bücher, die man danach unbedingt haben möchte. In Heidenreichstein nicht. Für Literatur im Nebel kostet ein Tagesticket 15 Euro. Wer schneller ist, der bekommt noch einen 2-Tages-Pass für 25 Euro. Ist jetzt kein weltbewegender Unterschied, sollte aber erwähnt sein. Ach ja, im Vorverkauf.

Bis auf die ersten beiden Reihen (vielleicht waren es auch die ersten drei, die gehören den Ehrengästen) ist freie Platzwahl. Deshalb ein kleiner Tipp: Früh dort sein. Denn wie überall gibts auch in Heidenreichstein so rücksichtsvolle Menschen, die für ihre zu spät kommenden Artgenossen gleich mal sechs Plätze mit Schals, Pullover, Jacken, Mützen und Ähnlichem belegen. Bei manchen habe ich mich gewundert, warum derjenige, der dann dort saß, überhaupt noch etwas anhatte. Achja, solltest du vorhaben, dich dort zu entblößen, um für deine Eltern, deine Freundinnen und Freunde, Tanten und Onkels, oder Studienkolleginnen und Mitarbeiter Plätze zu reservieren: Der ORF ist mit zwei Kameras dabei, die das ganze Festival von Anfang bis Ende komplett aufzeichnen. Ja, auch mit Schwenks auf das Publikum.

Die Location ist eine umgebaute Scheune namens Margithalle. Klingt schräg? Ist es aber gar nicht, weil schön ausgebaut, modern aber trotzdem gemütlich. Nur leider eher warm und ein bisschen stickig, wenn viele Leute sich drinnen aufhalten. Hinein geht man über einen etwa 10 Meter langen, mit Zeltplanen überdachten Gang, der gleichzeitig als Raucherbereich dient. Als Nichtraucherin für mich natürlich nicht so fein. Vor allem wenn sich zu Beginn des Abends die Leute anstellen und man nicht mit angehaltener Luft schnell durchkommt. Was solls. Gleicht hoffentlich die gute Landluft wieder aus.

Nur Luft, Liebe und Literatur?

Nein. Zwischendurch sollte auch mal was zu essen her. Dazu sage ich nur eins: Mohn. Mohnhonig: urgut. Mohnzelten: superlecker. Unbedingt essen, wenn du dort jemals hinfahren solltest (was ich dir schwer empfehle). Ich hätte einen Jahresvorrat mitnehmen können. Mohnzelten sind übrigens kleine mit Mohn gefüllte Teigtaschen. Ach ja: Zähneputzen danach nicht vergessen.

Ein kleiner Tipp am Rande: Am Land sperren die Restaurants am Nachmittag zwar nicht (immer) zu, sie kochen aber nicht. Weiß man normalerweise eh, denkt man aber (vielleicht) nicht dran, als Wiener-Großstadt-und-immer-warme-Küche-an-den-Würstelständen-sogar-in-der-Nacht verwöhnter Mensch. Also rechtzeitig essen (oder einkaufen) gehen. Jedenfalls nicht in der Margithalle die ganze dreiviertelstündige Pause an der Theke stehen und auf einen Plastikteller Gulasch warten müssen, und dann schnell runterschlingen, um wieder rechtzeitig im Saal zu sein. Oder hungern. Beides ist nicht lustig.


Fazit und Facts:

Ich bin durch die Loops schon so sehr ans Fazit-Schreiben gewöhnt. Daher auch hier (aber nur kurz, versprochen): Literatur im Nebel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Für welche Option bezüglich Anreise, Essen, Unterkunft oder Platzwahl du dich auch entscheidest, das Programm wird dich begeistern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass dir der Autor oder die Autorin, um dessen oder deren Werk es geht, gefällt. Das Programm kannst du dir – sobald es feststeht – auf der Festivalwebseite anschauen.

  • Dauer: 2 Tage (jeweils von 17:00 bis ca. 22:30 mit Pause)
  • Kosten: 15 Euro (Tagesticket), 25 Euro (2-Tages-Pass)
  • Anreise: Mit den Shuttlebus (Ticket 10 Euro pro Fahrt) oder mit der Öbb über Göpfritz oder Gmünd (nächste Bahnhöfe), danach mit dem Bus weiter nach Heidenreichstein. Oder natürlich privat mit dem Auto.
  • Besonderheiten: (Lebens)werk eines einzelnen Schriftstellers oder einer einzelnen Schriftstellerin; Lesungen von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern.
  • Dos: Früh dran sein (bei den Tickets, den Unterkünften und der Veranstaltung selbst), Mohnspezialitäten kosten, im Moor spazieren gehen.
  • Don’ts: In der Margithalle beim Buffet anstellen und eine halbe Stunde auf die Bedienung warten, mit der Öbb hinfahren.

P.S.: Der Nervenkekse werde ich demnächst daheim nachbacken.

Haben dir meine Infos weitergeholfen oder hast du noch Ergänzungen? Rein damit in die Kommentare!

Zurück nach oben

Mehr lesen?


 

Posted By :
Comment :2