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Literatur im Nebel – Bühne mit Schauspielern bei einer Lesung

Der ultimative leseloop Guide zu: Literatur im Nebel

Es gibt viele coole Literaturfestivals in Österreich, zum Beispiel die O-Töne im MQ in Wien, die Literaturtage in Rauris und das Bachmannpreis-Wettlesen in Klagenfurt. Alle drei haben ihr jeweils eigenes Konzept und sind auf ihre Art und Weise sehenswert. Im kleinen niederösterreichischen Heidenreichstein – mitten im schönen und oft nebligen Waldviertel – hat man sich was ganz Besonderes einfallen lassen.


Unheimlich, spannend, melancholisch.

Das waren meine ersten Assoziationen mit dem Namen “Literatur im Nebel” – zugegeben, ein klingender Name für ein Literaturfestival. Unheimlich, spannend und melancholisch kann auch eine gute Kombination für ein Buch sein. Oder für Lesungen aus solchen Büchern. Soweit meine Gedanken.

Ich muss zugeben, ich habe mich auch nicht weiter vorbereitet, sondern einfach die Tickets besorgt und ein Zimmer gebucht. Bei einer kurzen Recherche über das Festival gibt auch Google kaum Informationen her, außer die Webseite des Festivals selbst, die nur wenige Infos über Ablauf oder Örtlichkeiten bereitstellt. Also einfach mal hin und selbst schauen, hören, lesen.

Du musst natürlich nicht auf Geratewohl lostrampen oder auf gut Glück einen Bus in dieses entlegene Dorf erwischen, denn tadaa, hier gibts die Infos (mit Bildern), die ich bei meiner Vorabsuche vermisst habe.

Hin und weg

Ja, das war ich nach diesen zwei Tagen tatsächlich. Vom Festival selbst zumindest. Von Heidenreichstein wieder weg zu kommen, war schon schwieriger. Für die An- und Abreise hat man hier am besten ein Auto, denn Heidenreichstein liegt im nördlichen Waldviertel, hat keinen Bahnhof und nur schlechte Busverbindungen. Ich, Wiener-Großstadt-Nacht-Ubahn-und-sowieso-alle-2-Minuten-eine-Öffiverbindung geeicht, habe mir natürlich darüber keine Gedanken gemacht – und musste dann sonntags zurücktrampen. War auch lustig, doch wenn einem das nicht liegt, dann sollte man berücksichtigen, dass an Sonn- und Feiertagen der erste öffentliche Bus zwischen 16 und 17 Uhr fährt. Der nächste Bahnhof ist in Göpfritz, etwa 30 Kilometer von Heidenreichstein entfernt. Kein Spaziergang also.

Wenn du jetzt aber kein Auto zur Verfügung hast – und auch keinen netten Freund deiner Freundin, der dich in der Pampa am Sonntag abholen kommt–, dann gibt es Shuttlebusse von Wien, die direkt zum Festivalgelände (wow, was für ein Wort für eine umgebaute Scheune) fahren und dich dort auch nach der letzten Lesung pünktlich wieder abholen. 10 Euro kostet der Spaß. Wucher, dachte ich, die Öbb wird günstiger sein, dachte ich, der Bus ist sicher nur für Schnösel, die sich überall hinbringen und abholen lassen.

Tja, im Nachhinein würde ich auch den Bus buchen. Allein schon, weil die Öbb (mit Vorteilscard) fast das Doppelte kostet und das Eineinhalbfache deiner Zeit in Anspruch nimmt. Next time Shuttlebus.

Mit den Shuttelbussen kannst du direkt nach dem Tagesprogramm, das von 17:00 bis etwa 22:30 dauert (und manchmal ein klein bisschen überzogen wird), wieder zurück nach Wien fahren. Sehr praktisch und die günstigste Variante. Schöner ist es auf alle Fälle, in Heidenreichstein (bzw. mit eigenem Auto auch in einem der umliegenden Dörfer) zu bleiben und tagsüber im nahegelegenen Moor spazieren zu gehen. So kann man ganz gemütlich dem Alltag für ein Wochenende entfliehen und sich ganz der Literatur widmen.

Unterkünfte früh buchen

Ins abgelegene Heidenreichstein scheint es nicht viele Menschen zu verschlagen: Es gibt nur vier Unterkünfte, die in Gehreichweite der Margithalle (aka. Festivalgelände aka. umgebaute Scheune) liegen und für nicht-automobile Menschen wie mich in Frage kommen.

Am Literatur-im-Nebel-Wochenende sind aber alle vier ausgebucht. Daher früh entscheiden. Nicht wie ich aufs Glück vertrauen. Obwohl das natürlich bei mir funktioniert hat. Ist dann halt etwas teurer und nicht in der Altstadt, aber: Die Couchen im Zimmer waren bequem, und dank SAT TV musste ich mich nach den ganzen Lesungen nicht auch noch in den Schlaf lesen. Aber hey, man ist dort sowieso den ganzen Tag unterwegs.

Alle Unterkünfte in Heidenreichstein und Umgebung findest du auf der Webseite der Stadtgemeinde.

Beschäftigungstherapie für Literatouristen

Das reguläre Tagesprogramm startet um 17:00. Also braucht der Mensch eine Beschäftigungstherapie. Der Beitrag der Veranstalter dazu war eine Literaturverfilmung. Als kleine Wiedergutmachung quasi für all jene, die den Tourismus im Waldviertel (zumindest für ein Wochenende) unterstützen. Der Beitrag der Stadt war ein Bauernmarkt. Es gab Vollkorn-“Nervenkekse” zum Kosten, das sagt doch alles, oder?

Nein. Einen Tag kann man sich sehr gut in Heidenreichstein beschäftigen. Man schläft am besten erst mal lang und ausgiebig. Ist ja schließlich Wochenende und am Land ists so schön ruhig. Dann ein paar Nervenkekse am Bauernmarkt, eine Besichtigung der Burg oder ein Spaziergang im Moor. Damit kann man sich auch den ganzen Tag beschäftigen, man muss aber nicht wie ich 12 Kilometer durch die Pampa hatschen und dann kaum noch stehen können. Aber man kann.

Bitte nicht allzu ernst nehmen. In Wahrheit bin ich sehr gern am Land und sogar am Land aufgewachsen und möchte auch irgendwann wieder aufs Land zurück. Ach ja, die Betonung liegt auf irgendwann. Als Vorgeschmack dazu tut mir hin und wieder ein Wochenende fernab jeglicher Zivilisation ganz gut. Vielleicht überlege ich mir das dann ja nochmal.

Festival itself

So, Schluss mit lustig. Literatur im Nebel ist nämlich tatsächlich eines der coolsten Literaturfestivals in Österreich. Mit einem ganz eigenen Konzept, von dem ich natürlich keine Ahnung hatte, weil im Internet ja nirgends ein gescheiter Bericht zu finden war. Das Besondere an Literatur im Nebel ist, dass das Programm sich zwei Tage nur (und ja, damit meine ich ausschließlich und exklusiv) mit dem (Lebens)Werk eines Autors oder einer Autorin beschäftigt. Dieses Jahr war das Christoph Hein.

Gelesen wird quer durch das Werk – manchmal in Themenkomplexen zusammengefasst, manchmal abwechselnd mit Reden und Diskussionen. Christoph Hein liest natürlich nicht aus seinem eigenen Werk, sonst würden ihm wahrscheinlich schon nach dem ersten Tag – also nach über vier Stunden Lesung – die Stimmbänder reißen. Genau da aber liegt eine der Besonderheiten von Literatur im Nebel: Gelesen wird von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern. Dadurch bekommt jedes Werk seinen individuellen Klang. Durch professionelles Betonen, bewusst langsames oder schnelles Lesen und kräftige starke Stimmen kommt die Atmosphäre im Buch viel besser zur Geltung als bei den meisten Autorenlesungen.

Was ich auch noch nie – ja, wirklich noch nie, weder auf einem anderen Literaturfestival noch sonst irgendeiner Veranstaltung – erlebt habe: Sogar die Ansprachen der Moderatorin und des Veranstalters, ja sogar die des Bürgermeisters von Heidenreichstein – waren witzig. Ja, witzig. Ja, Ansprachen. Kaum zu glauben, oder?

Pay as you wish?

Normalerweise zahlt man auf Literaturfestivals (zb. auf den drei oben genannten) oder Lesungen (außer die im Burgtheater, klar) nur die Bücher, die man danach unbedingt haben möchte. In Heidenreichstein nicht. Für Literatur im Nebel kostet ein Tagesticket 15 Euro. Wer schneller ist, der bekommt noch einen 2-Tages-Pass für 25 Euro. Ist jetzt kein weltbewegender Unterschied, sollte aber erwähnt sein. Ach ja, im Vorverkauf.

Bis auf die ersten beiden Reihen (vielleicht waren es auch die ersten drei, die gehören den Ehrengästen) ist freie Platzwahl. Deshalb ein kleiner Tipp: Früh dort sein. Denn wie überall gibts auch in Heidenreichstein so rücksichtsvolle Menschen, die für ihre zu spät kommenden Artgenossen gleich mal sechs Plätze mit Schals, Pullover, Jacken, Mützen und Ähnlichem belegen. Bei manchen habe ich mich gewundert, warum derjenige, der dann dort saß, überhaupt noch etwas anhatte. Achja, solltest du vorhaben, dich dort zu entblößen, um für deine Eltern, deine Freundinnen und Freunde, Tanten und Onkels, oder Studienkolleginnen und Mitarbeiter Plätze zu reservieren: Der ORF ist mit zwei Kameras dabei, die das ganze Festival von Anfang bis Ende komplett aufzeichnen. Ja, auch mit Schwenks auf das Publikum.

Die Location ist eine umgebaute Scheune namens Margithalle. Klingt schräg? Ist es aber gar nicht, weil schön ausgebaut, modern aber trotzdem gemütlich. Nur leider eher warm und ein bisschen stickig, wenn viele Leute sich drinnen aufhalten. Hinein geht man über einen etwa 10 Meter langen, mit Zeltplanen überdachten Gang, der gleichzeitig als Raucherbereich dient. Als Nichtraucherin für mich natürlich nicht so fein. Vor allem wenn sich zu Beginn des Abends die Leute anstellen und man nicht mit angehaltener Luft schnell durchkommt. Was solls. Gleicht hoffentlich die gute Landluft wieder aus.

Nur Luft, Liebe und Literatur?

Nein. Zwischendurch sollte auch mal was zu essen her. Dazu sage ich nur eins: Mohn. Mohnhonig: urgut. Mohnzelten: superlecker. Unbedingt essen, wenn du dort jemals hinfahren solltest (was ich dir schwer empfehle). Ich hätte einen Jahresvorrat mitnehmen können. Mohnzelten sind übrigens kleine mit Mohn gefüllte Teigtaschen. Ach ja: Zähneputzen danach nicht vergessen.

Ein kleiner Tipp am Rande: Am Land sperren die Restaurants am Nachmittag zwar nicht (immer) zu, sie kochen aber nicht. Weiß man normalerweise eh, denkt man aber (vielleicht) nicht dran, als Wiener-Großstadt-und-immer-warme-Küche-an-den-Würstelständen-sogar-in-der-Nacht verwöhnter Mensch. Also rechtzeitig essen (oder einkaufen) gehen. Jedenfalls nicht in der Margithalle die ganze dreiviertelstündige Pause an der Theke stehen und auf einen Plastikteller Gulasch warten müssen, und dann schnell runterschlingen, um wieder rechtzeitig im Saal zu sein. Oder hungern. Beides ist nicht lustig.


Fazit und Facts:

Ich bin durch die Loops schon so sehr ans Fazit-Schreiben gewöhnt. Daher auch hier (aber nur kurz, versprochen): Literatur im Nebel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Für welche Option bezüglich Anreise, Essen, Unterkunft oder Platzwahl du dich auch entscheidest, das Programm wird dich begeistern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass dir der Autor oder die Autorin, um dessen oder deren Werk es geht, gefällt. Das Programm kannst du dir – sobald es feststeht – auf der Festivalwebseite anschauen.

  • Dauer: 2 Tage (jeweils von 17:00 bis ca. 22:30 mit Pause)
  • Kosten: 15 Euro (Tagesticket), 25 Euro (2-Tages-Pass)
  • Anreise: Mit den Shuttlebus (Ticket 10 Euro pro Fahrt) oder mit der Öbb über Göpfritz oder Gmünd (nächste Bahnhöfe), danach mit dem Bus weiter nach Heidenreichstein. Oder natürlich privat mit dem Auto.
  • Besonderheiten: (Lebens)werk eines einzelnen Schriftstellers oder einer einzelnen Schriftstellerin; Lesungen von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern.
  • Dos: Früh dran sein (bei den Tickets, den Unterkünften und der Veranstaltung selbst), Mohnspezialitäten kosten, im Moor spazieren gehen.
  • Don’ts: In der Margithalle beim Buffet anstellen und eine halbe Stunde auf die Bedienung warten, mit der Öbb hinfahren.

P.S.: Der Nervenkekse werde ich demnächst daheim nachbacken.

Haben dir meine Infos weitergeholfen oder hast du noch Ergänzungen? Rein damit in die Kommentare!

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aufgeschlagenes Buch mit Stift

Meine Top 5 No-Gos bei Rezensionen

Caterina Kirsten von Schöne Seiten hat vor kurzem im Börsenblatt einen Artikel geschrieben, der ein paar Unterschiede zwischen Blogs und professionellen Rezensionen aufzeigt.

Kurz danach kam eine Kritik an Literaturblogs von Thomas Wörtche, der einen Fauxpas der Bloggerin Krimimimi zum Anlass nahm, über Professionalität und Qualität von Blogs zu urteilen. Im konkreten Fall geht es um Krimi-Blogs. Die Aussagen dazu lassen sich – wie ich meine – jedoch ganz gut auf Blogs anderer Genres anwenden.

Angesichts dessen habe ich mir selbst Gedanken darüber gemacht, was eigentlich “professionelle” Rezensionen sind bzw. sein sollten. Unter professionell verstehe ich – und auch der Duden – dass eine Tätigkeit entweder beruflich ausgeübt oder fachkundig beherrscht wird.


5 No-Gos, die du vermeiden solltest

Wenn du auch über Literatur bloggst, dann können dir die folgenden fünf Richtlinien weiter helfen, deine Rezensionen besser zu machen. Abseits der ganzen Regelschieberei sollest du aber nie vergessen: Schreiben soll in erster Linie Spaß machen!

1. Verrisse

Verrisse, wie sie einst Marcel Reich-Ranicki von sich gelassen hat und wie sie auch heute noch von einigen “Professionellen” geäußert werden, sind unprofessionell und unnötig. Menschen sollten dazu in der Lage sein, jenseits der Gürtellinie – und damit meine ich jenseits des unteren Bereichs – miteinander zu kommunizieren. Egal, wie schlecht sie ein Buch finden.

Ich bewundere Reich-Ranicki zutiefst – sein Leben bzw. Überleben (im 2. Weltkrieg), sein Durchsetzungsvermögen in der deutschen Medienlandschaft und sein enormes Wissen über Literatur. Das heißt trotzdem nicht, dass ich alles gut finden muss, was er von sich gegeben hat.

Für ihn war es zum Beispiel völlig okay, Autoren und Autorinnen vor laufender Kamera zu zerreißen, sodass so manche weinend den Saal verließen. Vorgekommen schon beim ersten Bachmann-Preislesen (1977), als er die Autorin Karin Struck mit den Worten “Das ist keine Literatur – das ist ein Verbrechen“ wortwörtlich aus dem Saal beförderte. Die Presse verglich ihn in diesem Zusammenhang mit Dieter Bohlen und “Deutschland sucht den Superstar”. Viele anerkannte Autorinnen und Autoren weigerten sich danach, bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur trotz Einladung anzutreten. Marcel Reich-Ranicki blieb trotzdem einer der gefragtesten Literaturkritiker Deutschlands.

Ich persönlich verurteile Verrisse, da sie mit konstruktiver Kritik nur wenig gemeinsam haben und keinen wertschätzenden Umgang mit der Arbeit, Mühe und Persönlichkeit anderer zulassen. Verrisse sind unter der Gürtellinie und das sollte niemand nötig haben – weder Blogs noch Zeitungen.

2. Spoiler

Eine Unart, die sich leider durch die gesamte Literaturlandschaft zieht – sowohl bei “Professionellen” als auch auf Hobbyblogs. Bei letzteren wahrscheinlich häufiger. Dabei wird zu viel Inhalt verraten und die spannenden Wendungen vorweg genommen. Im schlimmsten Fall hat man nach dem Lesen das Gefühl, das Buch selbst nicht mehr lesen zu müssen.

Sinn und Zweck von Rezensionen ist es, einerseits zum Lesen anzuregen und andererseits die Verkaufszahlen zu steigern. Je nachdem, ob Blog, Rezensionen in einer Zeitung oder Verlagskatalog sind diese beiden Ziele unterschiedlich priorisiert.

Natürlich gibt es bei Spoilern einen mehr oder weniger großen Spielraum. Oft muss man einfach ein paar Dinge verraten, um sie auch bewerten zu können. Hier gilt also: So wenig verraten wie möglich, aber so viel wie nötig!

3. Wesentliche Informationen vergessen

Autor oder Autorin, Titel des Buches, Erscheinungsjahr, Verlag sind selbstverständlich. Eine kurze Inhaltsangabe sollte auch dabei sein. Der Übersetzer oder die Übersetzerin gehört auch dazu, wenn es sich um ein fremdsprachiges Werk handelt.

Dann sollten noch Argumente drin sein, die für oder gegen eine Empfehlung sprechen. Und natürlich die eigene Meinung. Vielleicht ein paar Details, zusätzliche Informationen, Hintergrundinfos, biografische Anekdoten und ähnliches. Wie viel davon, kann man sich aussuchen. Oder sich danach richten, was die eigenen Leser und Leserinnen interessiert. Oder was zum jeweiligen Medium passt, wo die Rezension veröffentlicht wird.

4. Rezensionen, die nur aus Werbezwecken geschrieben werden

Keine Ahnung, wie häufig diese Unart bei Zeitungen vorkommt. In meiner recht bescheidenen Zeit (etwa 2 Jahre) in mehreren Redaktionen sind immer viele verschiedene Bücher von Verlagen angekommen. Die zuständigen Redakteure und Journalistinnen haben dann selbst die Spreu vom Weizen getrennt. Ob die Verlage dann letztendlich für die Rezensionen bezahlt haben, weiß ich nicht.

Bei Bloggern und Bloggerinnen ist das schon viel eher der Fall – schließlich haben sie sonst kaum bis keine Einnahmequellen. Die Frage, ob es fair ist, dass Leute Blogs lesen, Informationen bekommen und nichts dafür bezahlen müssen, sei dahingestellt – abseits von Qualität, die auch bei Zeitungen nicht immer top ist.

leseloop ist noch zu jung, um Kooperationen mit Verlagen einzugehen. Dafür fehlt mir die nötige Reichweite. Ich kann mir jedoch absolut nicht vorstellen, positive Kritik zu schreiben, nur, weil mich ein Verlag dafür bezahlt.

Das ist mir wichtig und dafür steht auch leseloop – für Authentizität und Originalität. Andere Blogger und Bloggerinnen mögen das anders handhaben. Dann – wie ich finde – sollten sie ihre Leserschaft auch darüber informieren. Ähnlich wie Produktplatzierungen in Zeitungen als “bezahlte Anzeigen” gekennzeichnet sein sollen.

5. Leerformeln und Rechtschreibfehler

Leerformeln sind unbegründete Beurteilungen, wie man sie oft bei Bewertungen in Kundenportalen liest. Beispiel: “Das Buch hat mich gefesselt bis zur letzten Seite”. Da fragt man sich doch: Warum hat dich das Buch so “gefesselt”.

Ähnlich schlimm: Ein Text voller Rechtschreibfehler, unvollständiger Sätze, grammatikalisch falscher Formulierungen (ganz abseits von Stileigenheiten, die durchaus erwünscht sind!). Das muss ich aber eigentlich nicht erwähnen, oder?!


Neuerungen zulassen, Zukunft mitgestalten

Rezensionen dürfen und sollen sich unterscheiden – es darf mehr eigene Meinung drin sein, was vor allem bei Blogs eine schöne Alternative zu “professionellen” Rezensionen darstellt. Es darf kürzer oder länger geschrieben sein, wissenschaftlich angehaucht oder rein popkulturell. Wichtig ist, dass es der Zielgruppe gefällt. Und für Blogs gilt: Das Schreiben sollte in erster Linie Spaß machen.

Die Ansprüche von Bloggern und Bloggerinnen an ihre Rezensionen sind andere als die des Feuilletons. Darüber hat – wie schon oben erwähnt – Caterina Kirsten einen ausführlichen Artikel geschrieben. Die Kernaussage darin:

Die meisten Blogger wollen […] gar keine Literaturkritiker sein, sie wollen das Feuilleton nicht eins zu eins ins Netz holen. Sie wollen über Literatur sprechen – auf ihre Weise. Wollen zur Lektüre anregen, Fragen aufwerfen, in einen Dialog treten.

Bloggerkollege Alexander Roth von Der Schneemann sieht schon ein Streben nach Professionalität bei Blogs:

Für viele, und da schieße ich mich mal mit ein, ist ein Blog eine Plattform, um sich auszuprobieren. Darauf werden Artikel veröffentlicht, die nicht dem Qualitätsstandard eines professionellen Journalisten entsprechen, was aber nicht heißt, dass nicht einige Blogger darauf hinarbeiten, irgendwann den Absprung in die Professionalität zu schaffen.

Blogs und Medien können nebeneinander existieren, können kooperieren, können voneinander lernen. Blogs können sich Dinge von professionellen Rezensionen abschauen. Der Feuilleton könnte sich eine Scheibe Kreativität abschneiden.


Werte anpassen

Über Literaturkritik wird unzählig viel geschrieben. Dabei wird oft aus Klassikern zitiert, die relativ alt sind – älter jedenfalls als das Internet. Seitdem hat sich allerdings vieles verändert, ob zum Guten oder zum Schlechten soll hier jeder für sich selbst beurteilen.

Eines sollte jedoch gesagt sein: Weiterentwicklung ist wichtig. Unsere Gesellschaft entwickelt sich. Die Kultur entwickelt sich. Literatur, die heute noch schlecht ist, kann morgen schon ein Klassiker sein.

Heinrich von Kleist war zu Lebzeiten bettelarm, Friedrich Schiller wurde nicht nur am Anfang seines Schaffens mehrfach abgewiesen. Heute gehören beide zu Klassikern der deutschen Literatur. Warum nicht also Werte anpassen und Veränderungen zulassen? Und das nicht nur in der Literatur selbst, sondern auch in der Literaturkritik.

Was denkst du über die Entwicklung der Kritik? Habe ich etwas Wichtiges bei meiner No-Go-Liste vergessen? Sag es mir in den Kommentaren!

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Österreich Grafik

Warum ich ausgerechnet über österreichische Literatur schreibe

Vorerst nur für die FAQs vorgesehen, habe ich mich entschlossen, dieser Frage einen eigenen Artikel zu widmen. Warum? Weil das eine Frage war, die ich mir selbst sehr oft gestellt habe.

Ursprünglich wollte ich mich auf den deutschsprachigen Raum beschränken. Das schließt Literatur aus Deutschland, der Schweiz und im weitesten Sinne auch Exilliteratur, die auf Deutsch verfasst wurde, mit ein. Von Anfang an war allerdings klar, dass es auf leseloop um deutschsprachige Literatur gehen sollte.


Warum nur deutschsprachige Literatur?

Das hat zwei Hauptgründe: Einerseits, weil ich mich für deutschsprachige Literatur besonders interessiere (und mich auch ein wenig auskenne, schließlich habe ich Neuere deutsche Literatur studiert) und andererseits, weil ich die deutsche Sprache – ihren Klang, ihre Formen und ihre stilistischen Möglichkeiten – einfach mag. Und ich lese Bücher gerne in Originalsprache, da ich glaube, dass selbst gute Übersetzungen niemals gut genug sein können, um die Atmosphäre der Originalsprache einzufangen.

Natürlich lese ich auch englische Bücher, oder manchmal auch spanische, wenn ich Lust dazu habe. Aber diese dann auch in Originalsprache zu rezensieren, ist eine ganz andere Herausforderung. Wenn du bereits weißt, was die Technik des Loopens ist, dann wirst du verstehen, warum ich glaube, dass meine Rezensionen in einer Fremdsprache niemals so gut werden könnten.


Warum dann trotzdem nur österreichische Literatur?

Warum ich mich aber ausschließlich (oder sagen wir, zumindest vorerst ausschließlich) mit österreichischer Literatur beschäftigen will, hat auch gute Gründe:

1.  Es gibt bereits sehr viele Literaturblogs

Davon beschäftigen sich die meisten mit der Literatur, die ihnen gerade unterkommt, ohne zu selektieren. Rezensiert werden dann Sachbücher, Ratgeber, Belletristik, Fantasy etc. Dabei gibt es ein wesentliches Problem, wobei ich jetzt einfach mal von mir selbst und meinen eigenen Lesegewohnheiten ausgehe:

Wenn ich einen Blog lese, dann passiert das meistens aus zwei Gründen:

Entweder ich lese ausgewählte Artikel, die ich durch eine Suche im Netz zu einem bestimmten Thema finde. Ich gebe bei Google Suchbegriffe ein und finde zwei oder drei interessante Artikel, die ich dann lese. Dann schließe ich die Seite in den meisten Fällen wieder. Die Informationen, die ich wollte, habe ich bekommen.

Oder ich lese Blogs, denen ich auch folge und die ich immer wieder lese. Bei ganz besonderen Blogs, bei denen ich keine neuen Artikel verpassen will, habe ich den Newsletter abonniert. Das kannst du bei leseloop natürlich auch tun.

Warum? Weil mich deren Kernthema interessiert. Nicht nur der einzelne Artikel, sondern das Gesamtkonzept. Das Konzept hinter leseloop sind kreative Rezensionen zu österreichischer Literatur – daher: Komm auf jeden Fall wieder oder folge mir auf Facebook oder Twitter, wenn du dich genau dafür interessierst!

2.  Ich kenne mich ganz gut in der österreichischen Literaturszene aus

Ich mag die österreichische Literaturszene mit ihren Festivals und Literaturhäusern und lese selbst fast alle Neuerscheinungen (natürlich nur jene, die mir lesenswert erscheinen). Da bietet es sich natürlich an, in einem persönlichen Blog auch über genau dieses Thema zu schreiben.

Ich freue mich übrigens auch über Leseempfehlungen. Falls du meinst, dass ein Roman oder eine Erzählung deiner Wahl unbedingt auf leseloop rezensiert werden sollte, schreib mir eine Nachricht!

3.  Österreichische Literatur hat viel zu bieten

An Autoren und Autorinnen, von der Nobelpreisträgerin bis zum Erstlingswerk. An Veranstaltungen, Lesungen und Literaturhäusern. Oder an Preisen wie dem Bachmannpreis, dem großen österreichischen Staatspreis für Literatur und dem Literaturpreis Alpha, der übrigens gerade wieder ausgeschrieben ist. Auch Festivals wie Literatur im Nebel, die Rauriser Literaturtage oder die O-Töne im MuseumsQuartier sind sehr beliebt und auch viel besucht.

Österreich hat eine florierende Literaturszene und genau die möchte ich mit leseloop einfangen – um dich für österreichische Literatur genauso zu begeistern, wie sie mich begeistert.

4.  Die österreichische Literaturlandschaft ist überschaubar

Tja, wenn ich mir da nicht mal zuviel vorgenommen habe, denn die österreichische Literaturlandschaft ist vielfältiger als man glauben mag. Trotzdem ist und bleibt sie im Rahmen der deutschsprachigen Literatur überschaubar.

Überschaubar und trotzdem vielfältig genug, um lange Spaß am Lesen und Rezensieren zu haben. Aber auch so, dass ich nicht von der Menge an Neuerscheinungen gänzlich erschlagen werde.

Was denkst du über die österreichische Literaturszene? Hinterlass mir deine Meinung!

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