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Buchcover Ausschnitt Valerie Fritsch: Winters Garten

Todesvernarrte Häuser und herzbeklemmende Landschaften

Valerie Fritsch wird oft als Literaturwunderkind der Stunde bezeichnet. Zu Recht. Die Grazerin hat bereits zahlreiche Preise und Stipendien gewonnen und ist trotzdem am Boden geblieben. Ihre klugen Antworten auf der Bühne sind ebenso einprägsam wie wortgewandt – sodass es manchmal sogar dem versiertesten Moderator die Sprache verschlägt. Wer Valerie Fritsch bei den diesjährigen O-Tönen erlebt hat, weiß, was ich meine.

Wenn du mich bereits kennst bzw. auch das Konzept von leseloop, dann weißt du: Beeindruckende Stilistik, durchdachte Wortwahl und melodisch klingende Sprache begeistert mich grundsätzlich. Hier meine Hommage an eine der coolsten jungen Schriftstellerinnen aus Österreich.


„Der Himmel war so weit entfernt wie der Mond“

Anton Winter wuchs in einem riesigen Garten auf zu einer jener Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung war. Es war eine Gartenkolonie, entstanden vor Generationen, in der viele Menschen, alt und jung, zusammenlebten in einem ebenso riesigen Haus. Nie musste man sich Sorgen machen, dass die Kinder des Abends ihren Weg nach Hause nicht mehr fanden, dass die Alten in ihren Betten einsam starben, dass die Mütter und Väter nicht aus der Stadt zurückkehrten.

Im Garten hatten man das Vertrauen, dass die Gesellschaft längst verloren hatte. Er war das Gegenteil von jener Einsamkeit, die Anton Winter in der Stadt erlebte. Jene Stadt ohne Namen, von der wir nur wissen, dass sie am Meer lag, die aber als Sinnbild für die große Einsamkeit steht, die außerhalb des Gartens herrschte. Tod und Leben, Miteinander und Einsiedelei, Idylle und Untergang, alles hat Platz in diesem Buch.

„Wer traurig war, ging stets ans Meer“

In der Stadt floh die Idylle, wurde zu präapokalytischen Endzeitstimmung, die Anton Winter hoch oben beobachtete von seiner Wohnung aus. Er sah, wie die Menschen ans Meer gingen, magere Gestalten, die sich eine Linderung durch die kühle das Leben verschluckende Brandung erhofften. Sie stürzten sich ins Meer mit ihren schweren Herzen, sanken zum Meeresgrund mit ihren gallertartigen Körpern und schwebten leblos neben lebendigen Fischen, die es noch gab im flachen Wasser. Er beobachtete die Massenselbstmorde und Massenhochzeiten, die zeitgleich stattfanden, und wusste nicht, was die bessere Lösung war, der Wirklichkeit zu entfliehen.

Die melancholische Stimmung: allgegenwärtig. Wie Anton Winter durch den Feldstecher starrte. Wie er seine Vögel alleine ließ mit ihren traurigen Rufen. Wie er Stadt und Garten betrachtete, schwer und traumwandlerisch. Wie er schwelgte in Erinnerungen an seine Kindheit, an den Vater, an die Großmutter. Wie ihn die Verzweiflung einholte als wäre es sein letzter Tag. Wie er liebte im einen Moment. Wie er gewaltsam um sich schlug im nächsten. Er, der nicht mehr lachte und nichts mehr zu lachen hatte im Leben.

„Mit der Liebe bekommt man sein Schicksal zurück“

In Valerie Fritschs Roman gibt es den Garten, die Stadt, und dann: lange nichts. Alles umfassend die Liebe, die sich als feines Geflecht zarter tänzelnder Spinnen zwischen Anton Winter und Frederike entfaltet und ebenso filigran ist wie die Welt kurz vor der Apokalypse, so scheint es. Beide waren sie dünn, wie knochige Tänzer in den Schatten der Nacht. Ihr Zusammensein änderte ihre Welt, und doch auch nicht. Anton Winter, dünn wie ein Strich, beobachtete weiter die Stadt mit seinem Feldstecher. Frederike arbeitete weiter in einem Krankenhaus und trotzte dem Tod, indem sie kleine schreiende Bündel voller Leben auf die Welt brachte, die bald nichts mehr Lebenswertes zu bieten haben würde.

Es war leise geworden in jener Stadt, und die Menschen so traurig. Es war, als irrten sie umher, gemeinsam und einsam. Diese Melancholie, diese unbezwingbare Traurigkeit, als hätte Valerie Fritsch in diesem Roman abgeschlossen mit der Welt, zieht sich immerfort und verstärkt sich mit der Erkenntnis, dass nichts mehr helfen kann. Außer der Garten, der Ausgangspunkt und Endpunkt darstellt, Sehnsuchtsort und Gefängnis gleichzeitig. Der Anton Winter immer Heimat geblieben ist in seinen Träumen.

„Immer noch war das Leben ein Warten“

Man wartet in Valerie Fritschs Roman. Man sehnt sich nach Handlung. Man wünscht sich mehr. Doch nichts davon tritt ein. Es ist ihre Sprache, die vollkommen genügen muss, die für sie formbar ist wie Plastilin. Niemals kitschig, immer eigenartig melodisch, immer staunend, niemals stumm. Eine Sprache, die keines ausschweifenden Inhalts bedarf. Außer Leben und Tod als gegensätzliche Zustände, verkörpert im Garten und der Stadt, in Selbstmorden und Hochzeiten, in Leichen und Neugeborenen. Alles geht nebeneinander her, nichts trennt diese Gegensätze. Liebe und Tod, Eros und Thanatos, bedingen einander mit einer Selbstverständlichkeit, die es selten gibt heutzutage.


Fazit: Nichts ist unmöglich für Valerie Fritsch

Taumelnd unter der Virtuosität ihrer Sprache liest man Valerie Fritschs Roman. Fasziniert vom Lieben und vom Grauen, von Schönheit, Idylle, Glück ebenso wie von Verfall, Endzeit und Todessehnsucht. Man liest von „herzbeklemmenden Landschaften“, von„todesvernarrten Häusern“, von der „Wiener-Walzer-Sentimentalität“ der Apokalypse. Hier „rollen“ die Donner über die Felder, hier „kreischen“ die Krallen der Vögel auf den Karosserien, hier blühen “liederliche und tropische Pflanzen […] kadettenblau, bassorange, zwetschgengelb.“ Hier gilt für den Roman dasselbe wie für die Menschen in Anton Winters Garten: „Was man nicht über die Lippen bringt, bringt man auch nicht übers Herz.“ Und das scheint es für Valerie Fritsch nicht zu geben.

Kurz gesagt, Valerie Fritschs Sprache haut einen um. So sehr, dass man währenddessen kaum merkt, dass die Geschichte rund um das vielstrapazierte Eros-Thanatos Motiv, eingepflanzt in eine Weltuntergangsstimmung á la Lars von Triers „Melancholia“, nicht viel mehr zu bieten hat. Fritsch ist inhaltlich wie formal das genaue Gegenteil von Vea Kaiser, um es mit einem Vergleich zu sagen. Während Kaiser mit einem einfachen Stil und dafür umso ausschweifenderer Geschichte beeindruckt, ist es bei Fritsch genau umgekehrt: Ihr Roman “Winters Garten” ist gerade mal 154 Seiten lang und liest sich wie ein sehr langes und sehr sinnliches Gedicht, das Inhalt nur andeutet und viel Spielraum für Interpretationen lässt.

Eine Frage stellt sich noch zum Schluss:

Ist Valerie Fritsch ein One-Hit-Wonder?

„Winters Garten“ ist ein so originelles Buch, wie ich schon lange keines mehr gelesen habe. Valerie Fritsch hat derart viel an virtuoser Sprachkunst reingepackt und deckt mit ihrem Roman ein riesiges Themenspektrum ab, dass man sich fragt, was sie in zukünftigen Romanen denn noch zu sagen haben könnte?

Wird sie scheitern wie Robert Schneider nach „Schlafes Bruder“? Oder wird sie uns ein zweites (oder ein drittes und viertes und fünftes) Mal beeindrucken wie etwa Friederike Mayröcker? Ich bin gespannt.


Noch nicht genug?

Valerie Fritsch hat auch mich zu allererst auf einer Lesung begeistert. Man braucht der jungen Steirerin mit der angenehmen Stimme nur zuhören, schon zieht sie einen in ihren Bann. Ich finde sogar, dass “Winters Garten” ob seiner melodischen klingenden Sprache vorgelesen am schönsten ist.

Sie war übrigens mit ein Grund, warum ich unbedingt auf das diesjährige Literatur im Nebel Festival in Heidenreichstein fahren wollte. Schade, dass sie krank war, sie hätte dort sicher sehr gut hineingepasst.


Pressestimmen

“Winters Garten” macht ganz schön besoffen, so viel als Warnung, und hinterlässt noch nach dem Zuschlagen einen leichten Kater. Jeden zweiten Satz möchte man auf der Zunge herumrollen wie guten Wein – nur fehlt leider das Wasser für Zwischendurch. […] Es ist, als hätte die gerade mal 25-Jährige in dieses dünne Buch alles gelegt, was sie jemals hatte sagen wollen. Als stünde das Weltende tatsächlich kurz bevor.
Anja Kümmel, Zeit Online, 2015

Die Sprache, mit der Valerie Fritsch von jenem Riss, der durch die Welt und jeden Einzelnen geht, erzählt, ist von einer betörenden Schönheit, wie man sie in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur lange schon nicht mehr vorgefunden hat. Sie zeichnet sich durch eine schonungslose Zärtlichkeit aus und nicht zuletzt durch jene Genauigkeit, deren es so dringend bedarf, wenn man nicht Gefahr laufen will, mit ein, zwei falschen Bildern, ein paar misslungenen Sätzen einen ganzen Text zu Fall zu bringen.
Josef Bichler, Der Standard, 2015

Wer den ganz hohen Ton wählt, muss eine sichere Stimme haben. Die 1989 in Graz geborene Valerie Fritsch stellt in ihrem Erstling zwar eine beeindruckende Imaginationsgabe und Fabulierlust unter Beweis, verdirbt ihre opulent-düstere Vision vom Weltuntergang aber durch zu viele Patzer.
Georg Renöckl, Neue Zürcher Zeitung, 2015

 
Valerie Fritschs Roman “Winters Garten” ist im Suhrkamp Verlag 2015 erschienen und war auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Mehr Infos findest du auch auf ihrer eigenen Webseite.

Was beeindruckt dich mehr beim Lesen, Stil oder Inhalt? Kann man die beiden überhaupt trennen? Sag es mir in den Kommentaren!

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Doris Knecht: Wald, Buchcover Ausschnitt

Doris Knechts bitterböse Abrechnung mit dem Landleben

Tieftraurig und voller Hass auf ihre Vergangenheit blickend – besonders auf die darin vorkommenden Männer – erzählt die Protagonistin Marian, warum sie im Wald gelandet ist. Als letzten Ausweg. Als einzig möglichen Rückzugsort vor einem Leben, das ihr den letzten Funken Würde genommen hat. Aber wird sich das im Wald ändern?

Wer glaubt, hier einen Roman mit einer starken selbstbewussten Frauenfigur vor sich zu haben, legt das Buch besser gleich weg. So flüssig und stringent Knechts Stil auch ist und so gern ich monologische Texte lese: Inhaltlich ist der Roman leider nicht gelungen. Vor allem, wenn man Marlen Haushofers „Die Wand“ kennt, kann man fast nur enttäuscht sein. Daher diesmal ein ausführlicheres Fazit und ein etwas kürzerer Loop.


„Und letztendlich eh für’n Hugo, wie man so schön sagte“

“Sie gibt sich keine Mühe, zurück in den Traum zu finden.” Hat ohnedies keine Sinn. Er ist dahin. Ebenso wie Marians früheres Leben als Luxusvorstadtweib mit Luxusgefühlen und First World Problems. Trotzdem denkt sie viel darüber nach. Was alles schief gelaufen ist, was sie hätte vermeiden können, was aus ihr geworden ist. Über Oliver, der warme Oliver, der ihr immer zur Seite stand, der aber letztendlich die nüchterne pragmatische Frau in ihr nicht mehr ertragen konnte. Ja, das war sie immer gewesen. Seit sie ihren Namen vom, wie sie fand, biederen provinziellen und altmodischen Marianne in ein androgynes modernes stilvolles Marian geändert hatte, und spätestens dann, als sie ihre eigene Modelinie gründete.

„Dennoch: Der Saat des Untergangs war mit Bruno gelegt worden“

Bruno, der Philosophieprofessor, „der brillante, schmähführende, blitzgescheite Hallodri“, hatte sie immer häppchenweise mit Zärtlichkeit gefüttert, bis die Häppchen immer kleiner wurden. Das hatte er immer gut gekonnt, „mit ganz kleinen Bocken vom großen Wir und ein paar Bröseln Zukunft.“ Gerade aber soviel, dass sie bei ihm blieb, ja bleiben musste, um mehr zu bekommen. Ihre Freundinnen hatten versucht, sie auf Brunos Fremdgehen aufmerksam zu machen, doch “die waren ja bloß neidig, die blöden Weiber”. Aber sie, Marian, die Rastlose, die gut Ausgebildete, die Weitsichtige, hatte sich von Bruno blind machen lassen. Und taub. Und blöd.

Vielleicht hat sie das Landleben zäher gemacht, anders jedoch keineswegs. Dazugelernt hat sie nichts, sondern verlässt sich nach wie vor auf alte Muster: Eine Frau, die versucht, sich als starke Figur auszugeben, in Wahrheit aber nur ihre Schwächen demonstriert. Nach dem Motto: „Wenn ja, dann ja, wenn nein, dann tja. Schmecks.“

„Gott, es ist viel zu früh für so ein Gehirne“

Jetzt steht sie früh auf, brockt Ribisel und fischt ihre Fische selbst, seit Franz es ihr gezeigt hat, seit sie im Wald im Haus der Tante lebt, in einem kleinen Dorf im Hinterfurz, in der Hinterfurzstraße 9. Franz hat ihr zuerst ins Gesicht geschlagen, dann Geschenke gemacht, dann mit ihr gevögelt. Von Franz gibt es nichts umsonst. Am Land gibt es nichts umsonst. Da muss man wissen, was man wert ist: Ein paar Scheit Holz für den Winter, ein bissl Haarshampoo, eine Anleitung zum richtigen Fischen. Und sie ist stolz darauf. Stolz, ihr Essen selbst zu verdienen, ob durch vögeln oder durch fischen, was ist schon der Unterschied? Aber so ist es am Land, friss oder stirb. Spätestens jetzt ist sie dahin, die Bauernhof-Bilderbuchphantasie.

„Das war für eine Biografie wie die ihre nicht vorgesehen.“

Sie hatte immer alles richtig gemacht. Sie war ein fleißiges Mädchen gewesen, hatte nicht zu oft Kokain genommen, hatte sich nicht gleich nach der Matura in einen Griechen verliebt, und hatte sich aus ihrer Schwangerschaft gut rausgerettet. Liam, der Vater, und Shirley, seine neue Frau, waren ihrer Tochter bessere Eltern gewesen, als sie es je hätte sein können. Sie blieb lieber allein mit ihrer Arbeit, „wo A nach B führte und man von B aus vorsichtig C anvisieren konnte.“ Sprich: Wo sie alles kontrollieren konnte. „Das dachte sie zumindest, die dumme Kuh, die sie damals war.“

Dann kam die Wirtschaftskrise und Marian hatte zuerst Bruno, dann ihr Atelier, dann ihre Wohnung verloren. Sie denkt nicht gerne darüber nach, wie alles hätte vermieden werden können. „Hättiwari. Wäre. Wuascht. Es war eh egal, spielte keine Rolle mehr.“ Jetzt hat sie Franz, und sie ist froh, dass sie Franz hat und nicht mehr Bruno oder Oliver, denn Franz ist solide, ein Bauer vom Land, ein Mann, der sie versorgte. Nur ein bissl vögeln, dann bleibt Franz ihr erhalten. Alles in Ordnung, alles okay.


Fazit: Statt Emanzipation nur noch mehr Abhängigkeit

„Sie war hier, weiter von ihrem früheren Dasein weg als die Erde vom Mars“, beschreibt Doris Knecht den Ist-Zustand ihrer Protagonistin. Doch ist das tatsächlich so? Hat es Marian geschafft, sich zu emanzipieren, oder ist sie nur noch tiefer in Abhängigkeiten gefangen?

Äußerlich hat sie sicherlich vieles gelernt. Etwa, wie man Marmelade kocht, Zucchini einlegt, Kürbisse pflanzt oder Hühnern den Hals umdreht. Schließlich lebt Marian am Land, eine ganz andere Voraussetzung als eine Luxus-Penthouse-Wohnung in der Stadt. Im Laufe des Buchs beginnt sie sich immer weiter von der Vorstellung zu entfernen, dass ihre Flucht aufs Land – aus Not, nicht aus freiem Willen – nur eine Phase sei. Sie möchte bleiben. Trotz oder gerade wegen Franz, dem „geborenen Bestimmer, Alphatier by nature“, den sie mit Sex für Kartoffeln, Milch und Ofenholz bezahlt. Emanzipiert vom früheren Leben, rein in die Abhängigkeit des Überlebens am Land.

Für die Entscheidung, das Landleben als Zukunft zu akzeptieren, fehlt dem Buch allerdings die Grundlage: Einerseits hängt Marian ihrem früheren Selbst zu sehr nach. Rückblenden auf ihr Leben in der „sorglosen gehobenen Mittelklasse. Keine Yacht, aber auch nicht Ruderboot“, nehmen fast Dreiviertel des ganzen Romans ein. Sie verarbeitet ihre Männergeschichten, reflektiert aber kaum ihre Persönlichkeit. Schuld an ihrer Misere ist nicht sie selbst, die ein Umdenken gut gebrauchen könnte, sondern entweder Oliver, der sie betrogen hat, die B-Promis, die ihre Mode nicht mehr kaufen oder die teuren roten Schuhe, die sie erst in Brunos Arme geführt hatten: „Das war wohl, konnte sie jetzt sagen, der Moment. Als sie die Schnallen schloss und sich im Spiegel betrachtete: Da begann ihr Schicksal. Da war es eigentlich besiegelt.“

Andererseits packt Doris Knecht eine große Kiste Klischees aus und persifliert das Landleben, wo es nur geht. Die wenigen dort zurückgelassenen Leute sind bessere Feinde als Freunde, es wird wahllos herumgeschlossen („In der Stadt Mord, am Land Jagd, denkt man.“), Besitzansprüche werden mit körperlicher Gewalt abgegolten. Und die Alten, denen bleibt auch nichts anderes übrig, als sich einer nach dem anderen aufzuhängen, „weil sie alt und überflüssig und für ihre Familien eine Belastung geworden waren. (…) Weil sie nur noch Platz versaßen, am Esstisch und auf der Ofenbank.“ Ach ja, und „alle Bauern heißen Franz, alle, außer denen, die Sepp heißen.“

Traurige Aussichten für Knecht, die selbst, wie sie in Interviews mit dem Standard und dem Bayrischen Rundfunk sagt, wieder mehr Zeit in ihrem Ferienhaus am Land verbringen möchte. Allerdings mögen sie die Leute dort, sagt sie, im Gegensatz zu Marian.


Noch nicht genug?

Leider ist die Tonqualität nicht perfekt, aber man kann Doris Knecht im Literaturhaus Salzburg beim Lesen und Reden zuhören.


Pressestimmen

Die Autorin und Zeitungskolumnistin, die mit ihrem Roman „Gruber geht“ für den Deutschen Buchpreis nominiert war und dessen Verfilmung erfolgreich in den Kinos läuft, lässt das vermissen, was eigentlich ihr großer Trumpf ist: mit einer gewissen Nonchalance über wesentliche Dinge des Lebens zu berichten.
Alexandra Plank, Tiroler Tageszeitung, 2015

“Wald” ist eine intensive Lektüre, weil es um existenzielle Fragen geht. Und weil es Knecht wunderbar gelingt, das Landleben zu beschreiben, in einem unangestrengten Tonfall und ohne Verklärung der Enge der Provinz.
Sebastian Fasthuber, Falter, 2015

Knecht wiederholt Namen und Schlüsselworte, bis zu zwölf Mal auf einer Seite, so dass ein beschwörender Ton entsteht, ein unheimlicher Sound, der noch verstärkt wird durch die Verwendung herber Austriazismen. “Wald” liest sich wie eine 270 Seiten lange Gedankenschleife, ganz eigen, ganz eindringlich.
Tobias Becker, Spiegel Online, 2015

Doris Knechts Roman “Wald” ist im Rowohlt Verlag 2015 erschienen.

Das erste Buch seit der Gründung von leseloop, das ich fast ein wenig verrissen habe. Gerechtfertigt? Sag es mir in den Kommentaren!

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